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Vom seltenen Glück, ein Findelkind zu sein

Vor 25 Jahren wurde in Frankfurt (Oder) ein ausgesetztes Baby gefunden. Die B.Z. berichtet seither immer wieder vom Leben dieses Jungen, dem seine Adoptiveltern Geborgenheit und die Chance auf ein gutes Leben gaben.

Sein Start ins Leben war ein rauer. Hätte ihn nicht jemand rechtzeitig gefunden, würde Martin heute nicht mehr leben. Seine leiblichen Eltern hatten ihn ausgesetzt, das Baby einfach in einen Hausflur gelegt. Schicksal Findelkind. Dass Martins Leben trotzdem glücklich verlaufen ist, ist das große Verdienst von Corina (56) und Silvio K. (53). „Das sind und bleiben meine echten Eltern“, sagt der heute 25-jährige Martin. „Keine tröstete mich so lieb wie Mama und keiner baute mir so tolle Spielsachen wie Papa.“

Es ist 1994, die Woche vor Ostern: In einem Mehrfamilienhaus an der Bahnhofstraße von Frankfurt (Oder) wird ein Neugeborenes ausgesetzt. Yvonne H. (heute 50) findet das Baby vor ihrer Wohnungstür im zweiten Stock. Es ist ein Junge, dehydriert und halb verhungert, 3470 Gramm schwer und 52 Zentimeter groß. Die Ärzte im Klinikum Frankfurt (Oder) bringen ihn wieder zu Kräften.

Mein Name ist Osterhase

Ich fahre Ostern in die Klinik zur Kinderstation. Es ist mein erster Kontakt zu ihm. In der B.Z. nennen wir den Kleinen tags darauf „Osterhase“. Weil wir ihm keinen fiktiven Namen geben wollen. Das steht den späteren Adoptiv-Eltern zu. Oder vielleicht hat der Junge schon einen Namen.

Die polizeiliche Suche nach den leiblichen Eltern bleibt damals ergebnislos. Und bis heute hat sich daran nichts geändert.

Der Zufall bringt das Ehepaar Corina und Silvio K. mit dem Kind zusammen: „Wir hatten damals unmittelbar nach Ostern einen Termin beim Jugendamt“, erinnert sich die Mutter. „Weil wir keine eigenen Kinder bekommen konnten, bemühten wir uns schon Jahre um eine Adoption“, ergänzt ihr Mann. „Die Mitarbeiterin des Jugendamtes zeigte uns den druckfrischen Zeitungsartikel über den Jungen und fragte, ob wir Interesse hätten.“

Vollkommenes Familienglück

So lange fehlte den beiden Angestellten der Bundeswehr ein Kind zum vollkommenen Familienglück. Corina K.: „Zwei Fehlgeburten und zwei medizinisch notwendig Schwangerschaftsunterbrechungen hatten uns verzweifeln lassen.“ Nach einer schlaflosen Nacht sagen Corina und Silvio K. Ja. Bis dahin hatten sie den kleinen Findeljungen noch nicht persönlich sehen können.

Üblicherweise bleibt ab diesem Zeitpunkt eines Adoptivverfahrens die Öffentlichkeit außen vor, um dem Kind ein normales Aufwachsen zu ermöglichen. Doch für die B.Z. erlauben die Eltern Corina und Silvio eine Ausnahme, gestatten uns, das Leben des Kindes ab und zu begleiten.

Und so entwickelte sich über 25 Jahre eine Beziehung zu Martin und seinen Eltern, die mehr als nur beruflich ist, zumal meine Söhne etwa im Alter von Martin sind. Es erscheinen über die Jahre etwa zehn Beiträge.