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So redet sich Berlins Innensenator den Drogenpark schön

Im Görli gibt es jetzt zwei Verkaufs-Zonen für illegale Substanzen. Die ganze Stadt debattiert über das Thema.

Markierte Zonen, damit die Drogendealer genau wissen, wo sie ihre Ware an den Mann bringen können: Der Vorstoß von Cengiz Demirci (45), Parkmanager im Problem-Park Görli, sorgt für Wirbel!

Die Idee war am Donnerstag u.a. Thema im Abgeordnetenhaus. Innensenator Andreas Geisel (53, SPD): „Ich persönlich sage ganz deutlich, dass die Polizei Drogenhandel bekämpft, auch im Görlitzer Park.“

B.Z. prüft zwei von Geisels Thesen

Geisel-These 1: Es gebe eine dauerhafte Präsenz der Beamten vor Ort.

Als die B.Z. sich am Donnerstag im Görli umschaut, sind zwar mehrere Dutzend Dealer vor Ort und gehen ihrem Geschäft nach. Polizei ist aber nicht zu sehen. 

Immerhin, der mediale Druck nach dem Bekanntwerden der Dealerzonen zeigte Wirkung: Am Freitag hob die Polizei mehrere Drogenbunker aus. 

Geisel-These 2: Die Kriminalität rund um das Kreuzberger Areal habe sich „deutlich“ verbessert. „Das kann man an der Polizeistatistik ablesen.“

Problem: Aus der Polizeilichen Kriminalstatistik lassen sich keine detaillierten Zahlen für den Bereich rund um den Görli ablesen. Der Kriminalitätsatlas für die südliche Luisenstadt, wo der Görlitzer Park liegt, zeigt: 2018 gab es dort 80 Fälle von Straßenraub und Handtaschenraub, 2017 waren es noch 64. Die Fälle von Körperverletzung stiegen von 393 (2017) auf 452 (2018). These widerlegt.

Aber: Die Zahl der registrierten Rauschgiftdelikte stieg von 781 im Jahr 2017 auf 934 in 2018. Das deutet daraufhin, dass es womöglich etwas mehr Polizeikontrollen gab. Klar ist allerdings auch: Würde die Polizei gegen jeden Dealer durchgreifen, gingen diese Zahlen in die Zehntausende. Geisel redet die Misere schön.

In der Nacht zu Freitag gab es wieder eine Messerstecherei, bei der ein 22-Jähriger verletzt wurde.

Was muss passieren, damit der illegale Drogenhandel im Görlitzer Park aufhört?

Der Kreuzberger CDU-Abgeordnete Kurt Wansner (71) schlägt eine radikale Lösung vor. „An den Zugängen zum Park sollte es tagsüber Eingangskontrollen geben“, sagt er. „Nachts müsste der Park komplett geschlossen werden.“ Man habe es auch personell geschafft, die Gerhart-Hauptmann-Schule komplett zu bewachen. Wansner: „Auch für Punkte auf der Bergmannstraße ist Geld da, dann sollte man auch Einlasskontrollen finanzieren können.“

Es brauche ein berlinweites Konzept, wie mit Drogendealern verfahren wird, wenn die Polizei sie festnimmt. „Im Zweifel müssen sie in ihre Heimatländer zurückgeführt werden“, so der CDU-Politiker.