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Ermittler packt aus – Polizei-Frust über Drogenpark „Görli„

Ein Mann (21) sticht Donnerstag im Görlitzer Park einen anderen Mann (22) aus Guinea nieder. Der kommt blutend in ein Krankenhaus. Das geschieht am Abend des Tages, an dem Innensenator Andreas Geisel (53, SPD) behauptet, die Kriminalität rund um den Görli habe deutlich abgenommen.

Jendro: Scheint so, dass die Verantwortlichen den Park nicht Drogenfrei haben wollen

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, sagt dagegen: „Wir sehen anhand der aktuellen Zahlen sehr deutlich, dass im Görli eben nicht alles rosarot ist. Er sei „längst nicht der Park, den wir nach unserem Rechtsverständnis in Berlin haben wollen. Wir haben noch immer eine Vielzahl von Kriminellen, die dort mit Menschenleben spielen und regelmäßig gewalttätige Auseinandersetzungen.“

Es scheine, so Jendro weiter „dass niemand der Verantwortlichen diesen Park wirklich drogen- und kriminalitätsfrei haben möchte.“ Es könne nicht sein, dass die Polizisten „praktisch für den Papierkorb arbeiten und nicht mal für Dealer, die 30 oder 40 Gramm Cannabis bei sich haben, einen Haftbefehl bekommen.“

Berlins Politik müsse sich entscheiden, ob man Kriminelle neben spielenden Kindern integrieren und hinnehmen wolle „oder der Park für die Menschen dauerhaft gefahrlos betreten werden kann. Für Letzteres bedarf es dauerhafter Polizeipräsenz, juristischer Durchsetzungskraft und politischer Rückendeckung. Nicht anderes als eine klare Form der Null-Toleranz erleben wir gerade im Kampf gegen arabische Clans in Neukölln.“

Innensenator Geisel behauptet, die Kriminalität rund um den Görli habe abgenommen – das Gegenteil ist der Fall.

Auch aktuelle Zahlen, die die Öffentlichkeit eigentlich nie zu Gesicht bekommen würde, belegen: Das Gegenteil ist der Fall.

B.Z. zeigt exklusiv, wie viel Kriminalität es am und im Görli wirklich gibt!

  • 27 Fälle von schwerer und gefährlicher Körperverletzung erfasste die Polizei zwischen dem 1. Januar und dem 6. Mai 2019. Im Vergleichszeitraum 2018 waren es 18 Fälle – plus 50 Prozent!
  • Auch die Angriffe auf Beamte nahmen zu: 13 waren es bis zum 6. Mai. 30 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2018!
  • Acht Polizisten wurden 2019 im Görli verletzt. Es gab 978 Personenüberprüfungen, 45 Festnahmen, 625 Platzverweise.
  • 101-mal wurden Menschen zwischen dem 1. Januar und dem 6. Mai 2019 im Park beraubt oder beklaut. Im Vergleichszeitraum 2018: 77-mal. Ein Plus von 31 Prozent!

Die Messerattacke vom Donnerstag ist in den Zahlen noch nicht enthalten. Vermutlich handelt es sich um Revierstreitigkeiten zwischen Drogendealern.

Der Niedergestochene war gegen 20.40 Uhr von dem anderen Mann hinter dem ehemaligen Café Edelweiss angesprochen worden: Er solle sich verziehen. Als das spätere Opfer eine Stunde später immer noch am selben Platz stand, zückte der 21-Jährige sein Messer.